04.11.2012

risky roasting (Dong Ding selber rösten)

Heute konfrontiere ich Euch mit gleich zwei "Niederlagen" in einem Post.
Zuerst mal ein Foto, das nicht so scharf geworden ist wie es sollte:

Rechts seht Ihr 10g von einem Osmanthus Dong Ding, von dem ich durch einen glücklichen Zufall mal einen 3kg Beutel für lau bekommen habe. (Wenn es hier Smilies gäbe, würde jetzt einer erscheinen, der über volle Bildschirmbreite grinst).
Im linken Cup sind ebenfalls 10g von genau diesem Osmanthus Dong Ding - nachdem ich mich daran versucht habe, ihn selber zu rösten.

In meinem letzten Eintrag zeigte ich mich ja von einer ziemlich risikoscheuen Seite. Dabei probiere ich gerne neue Teesorten und experimentiere freudig an der Zubereitung rum - auch auf die Gefahr hin, mal etwas in den Sand zu setzen.
Damit wären wir schon wieder beim aktuellen Experiment, aber erstmal zu meiner Motivation: Oolongs mag ich lieber nicht so grün sondern besser etwas geröstet. Klassische, bräunliche Tie Guan Yin sind mir z.B. um Längen lieber als die modernen grasgrünen Kügelchen. Aus Taiwan mag ich viel lieber die mittelstark gerösteten Hong Shui als die ganz frischen Gao Shan Oolongs. Aber damit liege ich völlig neben der Marktentwicklung - da werden die grünen Versionen viel stärker gehandelt. Auch in unser Sortiment wird wohl in absehbarer Zeit ein Tie Guan Yin kommen ... recht grün.
Da hilft nur eins: Selbermachen!

Also habe ich gestern diesen hier geröstet:

Das habe ich nach einer Anleitung gemacht, die ich bei Tea Obsession gefunden habe. Zumindest bis der Rauch meine Frau alarmierte...
Dafür habe ich 150g in unseren Reiskocher gegeben und 2 x 30 Minuten (dazwischen umgerührt) in der Einstellung "keep warm" erhitzt. Dabei strömte der herrliche Duft des Tees durch die Küche und ich befürchtete schon, das ganze Eigenaroma des Tees (durch geschickte Oxidation zum Osmanthusduft veredelt) aus dem Tee herauszubacken.
Dann wollte ich für 30 Minuten die Einstellung "cook" anwenden, aber nach 2 Minuten sprang der Schalter zurück auf "keep warm". Also habe ich den Schalter ausgetrickst ... und wurde dafür nach einer Viertelstunde mit deftigen Rauchschwaden belohnt.

Die unterste Schicht der Blätter war angekokelt! Außerdem hatten sich die Stängel (wovon einige im Tee enthalten sind) gestreckt und dadurch die Kugeln weitgehend entrollt. Daher sieht auf dem ersten Bild dieses Eintrags die linke Schale viel voller aus als die rechte.


Völlig verdorben ist der Tee nicht. Man schmeckt zum Teil noch die leicht fruchtige Note des ursprünglichen Tees und dazu deutliche Röstnoten - als hätte man viel Houjicha (japanischer gerösteter Tee) untergemischt. Ein netter Tee zum Nebenbeitrinken - aber nicht das Ergebnis, das ich erreichen wollte. Vielleicht sollte ich es nochmal versuchen - dann im geschlossenen Grill, wo ich die Temperatur besser kontrollieren kann. Denn nach der ersten Stunde sollte die Temperatur schon erhöht werden - aber vermutlich besser indem ich die Lufttemperatur erhöhe, als dass eine Auflagefläche wahnsinnig erhitzt und die direkt aufliegenden Blätter verkohlt. Sollte ich das nochmal angehen, werde ich hier berichten.

Hat vielleicht jemand von Euch Erfahrungen damit, selber Oolong zu rösten? Über Tipps würde ich mich sehr freuen!



Kommentare:

  1. Ich habe mal in einer Facebook-Gruppe darüber gelesen, wie jemand im Backofen ganz brauchbare Ergebnisse erzielt hat. Der Backofen hat den Vorteil, dass man immer wieder den Zustand der Blätter überprüfen kann. Leider weiß ich nicht mehr mit welchen Einstellungen derjenige das getan hat.
    Beim Reiskocher gibt es sicherlich das Problem, dass die wahrscheinlich alle unterschiedlich geregelt und daher ihre Erfahrungen auf andere Modelle nicht unbedingt übertragbar sind.
    Müsste es nicht auch theoretisch mit einer Pfanne, wie sie für Hôjicha benutzt wird gehen?

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  2. Hallo Gero,

    das Thema "Tees selber rösten" ist wirklich interessant und wird oft empfohlen, wenn es darum geht Tees längere Zeit zu lagern. Habe mich selbst da nie richtig ´ran getraut, am Ende geht da mehr kaputt, als es nutzt... wenn die verschiedenen Beiträge im Netz so liest, werden wohl "niedrige" Temperaturen von 50°C-60°C empfohlen, aber über längere Zeiträume gestreckt. Eventuell auch die Blätter bewegen, um zu starke Kontaktwärme zu vermeiden?!? Welche Temp. hat Dein Reiskocher? Sehr interessanter Beitrag! Grüße, Merlin

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  3. Hallo Merlin,

    gestern habe ich es nochmal versucht, wenn auch bei etwas höherer Temperatur als von Dir beschrieben: 60-80°C. Die Temperatur schwankte je nachdem, wie frisch die glühende Holzkohle war, denn ich habe es im Grill (für BBQer: Watersmoker w/ sandpan) versucht. Die ersten 4 Stunden ging alles gut - stündlich habe ich den Tee kontrolliert. Aber nach der 5. Stunde hatte der Tee dann plötzlich doch Aroma vom Grill angenommen. Sollte ich wirklich den elektrischen Backofen nehmen? Das wirkt irgendwie so unspannend...
    Grüße, Gero

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  4. Hey

    ich bin der Typ aus der FB-Gruppe :-) und es ist ein absoluter Zufall das ich auf deinen Beitrag gestoßen bin.

    Meine Erfahrung im Nachrösten (ich habe das jetzt schon ein paar mal gemacht und wirklich ganz gute Ergebnisse erziehlt)

    Backofen sauber und geruchlos - weitestgehend...
    Alufolie auf das Blech oder Gitter legen - und auf ca. 130 Grat vorheizen - dann den Tee hinein geben - immer mal wenden - das Rösten an sich ist immer ein kleines Experiment - das hängt vom Tee - von der Teemenge - und davon ab wie stark die Röstnote werden soll... meistens reichen 10 - 15 Minuten völlig aus - aber das muss man alles ausprobieren - ich habe Tees auch schon länger geröstet... Das die Blattstiele aufpopen ist normal - das ist wie beim Popkorn - passiert manchmal wenn der Tee heiß wird. Meist ist der Tee ganz gut wenn er anfängt leicht zu rauchen - man kann ihn dann rausnehmen und abkühlen lassen - ich lasse ihn zugedeckt abkühlen... man kann diesen Röstvorgang mehre male wiederholen - der Tee verändert sich dabei immer mehr...

    Beste Grüße
    Christoph

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  5. Hallo Christoph,

    danke für den Mut machenden Tipp!
    130°C erscheint mir erstmal recht hoch - sonst habe ich von ca 80°C gelesen. Aber dafür röstest Du ja auch nicht mehrere Stunden.
    Bleibt ja nur noch zu fragen: Umluft oder Ober/Unterhitze?

    Dankbare Grüße
    Gero

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  6. Ich habe es auch mit 100°C und 110°C Probiert da hatte ich den Eindruck das zuviel Aroma vom Tee verlorengeht...? Ich Experimentiere ja auch nur... bei 80°C über eine länger Zeit müsste ich auch mal ausprobieren... Ich habe immer mit Ober/Unterhitze geröstet. Bratpfanne ist übrigens keine gute Möglichkeit habe ich auch schon ausprobiert - die wird einfach zu heiß und der Tee verbrennt. Es eignen sich auch nicht alle Oolongs zum nachrösten. Ich habe meine Versuche immer mit Tees gemacht die zu alt waren oder mir nicht schmeckten. Die aufgepopten stengel sortiere ich hinterher immer aus dem Tee...

    Beste Grüße
    Christoph

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