17.05.2013

Dancing with a 2007 CNNP 0701 HK

Yes, I know - I should continue with the Darjeeling / Nepal series to let you know how the tea leaves are processed in the factories. But having had a delicious tea session last night with the above mentioned tea, I decided to interrupt the series for some tasting notes.


The "2007 CNNP 0701 HK" (found here) is an enigma to me:
Is CNNP still active? You find a lot of CNNP from the 1990s and earlier on, but after the privatization it seemd to me new companies like Dayi, Xiaguan, Fuhai and so forth had taken over the market.
Does the blend number 0701 imply that the leaves are even smaller than grade1? How comes the leaves on the bing's surface look non smaller than an 8582?
Is this tea marked "HK" exclusively meant for sale in Hongkong? I've read many times that Xiaguan produces some teas marked as "FT" (for Taiwan), using higher standards for these export goods.

But who really cares about these questions as long as the tea gives you pleasure? Last night I brewed it up in a Gaiwan, intending to write down tasting notes. But there were too many e-mails and TeeTalk posts to be answered to get a review done. Still I was impressed with the full bodied, savoury sweetness of this tea. So today I sat down with this tea again today - and was in for a suprise! Using the same equipment as yesterday, same water and just slightly less leaves, the results turned out quite different from last night.

The bing is pressed more firmly pressed than current fashion demands - yet not as iron tight as other bing I've tried. The leaves look nicely brownish - both silvery and golden tips are found ... and thanks heavens there are also some of the stalks I belief to lend body and substance to a sheng. Leaves on the surface seem big and intact, yet the inner layers of the bing reveal some fragmented leaves. In the preheated gaiwan a sweet and full bodied fragrance can be found with some traces of mint in the background. Please don't flame me if you think this does not belong on a blog without ager restriction, but the fullbodied and sweet scent reminds me of something wonderful: the most intimate female fragrance.


In my cup the first infusion is a deep yellow bordering on orange. Flavourwise it is really light - reminds me of young vegetables and some fresh tobacco. No fruitiness or other sweet elements to the taste, but a lingering presence after swallowing. When cooled a little, the tea seems quite mineralic with a pronounced aftertaste of mint.
Is this the same tea I had the night before?

Second infusion gave me some glimpses of sweetness, but locked away behind a metallic acidity. Yesterday I liked its taste much better, but today the sensation in my mouth is much more impressive: an envigorating tickling which builds up after swallowing. And the qi! Energizing and calming at once.

Over the next infusions I found varying intesities of minearlic and metallic tastes in the tea with hardly a trace of sweetness. That sweetness reminded me of Darjeeling Second Flush, but almost too fleeting to be described. The delight which stood out for me was the tea's energy. While it was dancing around its own sweetness (never really getting there, just giving me glimpses), I danced along carried by the tea's liveliness.

Infusion 7 and the following cups at last gave in to my couting: the sweetness fully revealed itself to me. Still there was a mineralic backbone to the tea and its energy took my heart for a spin, but I feel in harmony with this tea - like lovers with some years of shared history. 

While writing this line, I am enjoying infusion number 12 - the best cup so far: sweetness, mineralic backbone, savoury body, syrupy mouthfeel, calming qi, longlasting aftertaste of cane sugar and virginia tobacco.


Okay, this tea seemed not as easily accessible as the Yongde Tengzi Cha. But then again it is not a rough ride on a stormy ocean like the Longrun Zhongmu. This is more like a dance (Tango?), courting, hinting and at last giving in to each other.

Thanks for reading, but I'll enjoy the following cups in total privacy!
So long.


01.05.2013

Darjeeling & Nepal: Tee pflücken


Während die Wachstumsbedingungen (Klima, Boden) für die Teepflanzen auf beiden Seiten der Grenze annähernd identisch sind, ist der Weg vom Teebusch in die Fabrik in Nepal typischerweise ganz anders als in Darjeeling.

Gemeinsam ist beiden Gegenden, dass "two leaves and a bud" gepflückt werden. Dieses Set aus der noch geschlossenen Blattknospe und den beiden jüngsten Blättern wird auch als ein "shoot" bezeichnet:
picture source: Wikipedia

Fangen wir mal mit dem klassischen Anbaugebiet Darjeeling an: als die Briten hier vor ca. 150 Jahren die Teegärten anlegten, waren diese "Estates" Plantagen mit vielen Mitarbeitern. Auch heute noch ist es so, dass ein Garten viele Mitarbeiter hat, die auf dem Gelände des Teegartens in ihren Häusern wohnen. Wohnen, Essen, Heizmaterial - verschiedene Aspekte des täglichen Lebens werden vom Teegarten subventioniert oder teilweise gratis zur Verfügung gestellt. Auch Schulen und medizinische Versorgung (in kleinen Teegärten Kliniken, ganze Krankenhäuser in den großen Teegärten) sind kostenlose Leistungen der Arbeitgeber. Dazu kommt dann noch der Lohn für die Arbeit zwischen den Teebüschen (Pflücken, Unkraut jäten, Rückschnitt der Büsche,...) oder in der Fabrik.
Die Pflückerinnen in Darjeeling werden also vom Teegarten versorgt, der dafür genaue Arbeitsanweisungen geben kann: wann wird wo wie gepflückt. Die Qualitätsstandards sind (in einem gut geführten Garten mit motivierten Mitarbeitern) also entsprechend hoch, wenn man sich die gepflückten Blätter ansieht.

Teepflücken in Darjeeling
 
Teepflücken in Nepal

In Nepal stellt sich die Situation anders dar: die meisten Teefelder gehören individuellen Kleinbauern, die auch Kartoffeln, Mais und diverse andere Feldfrüchte anbauen (auch Hirse, aus der ein heimtückischer Schnaps gebrannt wird - Achtung bei klaren Flüssigkeiten in Wassergläsern!). Die Bauern verkaufen ihre Teeblätter an eine lokale Fabrik ... oder bringen die unverarbeiteten Blätter über die Grenze nach Darjeeling, um sie dort für wenig Geld an eine Fabrik zu verkaufen. Das Hauptproblem ist, wie frisch die Blätter in der Fabrik ankommen. Wenn ich möglichst viele Blätter in enge Netze quetsche, diese auf mein Motorrad packe und über die Grenze nach Darjeeling knattere, kommt kein gutes Blattmaterial in Darjeeling an, egal wie sorgfältig es gepflückt wurde. Gequetscht und lange transportiert - da setzt die Oxidation schon unkontrolliert ein, bevor die Blätter überhaupt in die Welktröge kommen (mehr zur Verarbeitung in einem eigenen Beitrag).
Aber auch, wenn die Teeblätter in einer lokalen Fabrik weiterverarbeitet werden, kann der Zustand der Blätter porblematisch sein. Kommt zum Beispiel überraschender Besuch vorbei, isst man etwas zusammen, quatscht und erinnert sich ein paar Stunden später an die Blätter. Ist jetzt überhaupt noch jemand in der Fabrik, um die Ernte anzunehmen?
Ein anderes Problem ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Vielleicht findet der Bauer noch einen Kanister mit Spritzmittel, das er vor Jahren mal für seine Kartoffeln gekauft hat. Wenn das großzügig auf den Teebüschen eingesetzt wird, kann das Endprodukt unverkäuflich werden.
Das dritte Problem ist das Überpflücken der Teebüsche. Je mehr der Teebauer pflückt, desto mehr Geld bekommt er (oder wenn er die Blätter schwerer macht, indem er sie mit Wasser besprüht). Diese Motivation, möglichst viel zu pflücken, kann zum Überpflücken führen. Dabei werden mehr Blätter vom Teebusch gepflückt, als gesund für ihn ist ... ein Sägen am Ast, auf dem Teebauer sitzt.
Diverse Probleme, die in der geringeren Kontrolle der Pflücker durch die Teefabrik liegen. Andererseits ist für die Bauern die Diversifikation des Anbaus auf verschiedene Feldfrüchte sowohl ökonomisch als auch ökologisch erstrebenswert. Was kann man tun?

Man erkennt gerade die blauen Dächer der Fabrik (linke Hälfte). Soweit müssen die Teeblätter transportiert werden. (5 Minuten mit dem Jeep, 15 Minuten zu Fuß)

Wir (=TeeGschwendner) unterstützen ein Projekt der Kleinbauern Kooperative Sunderpani. Diese Kooperative hat in Zusammenarbeit mit einem nepalesischen Teeproduzenten, der GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) und eine Teefabrik gebaut. In dieser Fabrik kann in unmittelbarer Nähe der anliefernden Bauern der Tee direkt verarbeitet werden. Ein ganz wichtiger Teil der Arbeit des Fabrikmanagements ist die Schulung der Teebauern: wie und wann düngen, pflegen, pflücken. Dies ist umso wichtiger geworden, seit die Fabrik biozertifiziert ist. Nun darf nicht die Nachlässigkeit Einzelner den Fortbestand der Zertifizierung für alle gefährden.
Damit die geernteten shoots in gutem Zustand zur Verarbeitung kommen, gibt es einen Shuttle-Service: ein Kleinlaster fährt in geregeltem Turnus die Höfe der Kleinbauern ab, lädt die Teeblätter in Transportkisten (um den Quetschschaden und damit unkontrollierte Oxidation zu vermeiden) und bringt sie zügig zur Fabrik.

Nun wird hier ein Tee produziert, der den deutschen Vorlieben sehr gut entspricht und dadurch besserer Preise für die Teebauern erzielt. Ein netter Nebeneffekt der Umstellung auf Bioanbau: bei der Herstellung des Biodüngers wird Grünabfall mit Kuhmist und -urin vergoren. Dabei entsteht Biogas, das nun in den Küchen der Kleinbauern zum Kochen verwendet wird. Dafür hat ein namhaftes deutsches Teehandelsunternehmen (für den ich nicht  zu plump werben will - auch wenn es mein Arbeitgeber ist) jeder Kleinbauernfamilie eine Kuh spendiert.

Rechts (vorm Fenster) der Zugang für die Biomasse zum Gastank. Links davon (halbe Strecke zur Sat-Schüssel) kommt die Gasleitung aus dem Tank und...

... und hier landet die Gasleitung in der Küche.


Im Forum TeeTalk.de wurde ich gefragt, wie die Menschen in Nepal denn so leben. Das ist für die Kleinbauern nicht einfach zu sagen. Da ist einerseits die Außentoilette und der Waschraum, der nur mit einem Kaltwasserhahn, einer großen Plastikschüssel und einem Schöpfeimerchen ausgestattet ist. Auch die dauernden Stromausfälle und schlechten Straßen (aber immernoch um Längen besser als in Darjeeling!) klingen für unsere Ohren nicht gerade verlockend. Aber andererseits haben meine Gasteltern vier Kinder sehr gut groß bekommen: zwei Kinder studieren auf einer indischen Universität, ein Sohn arbeitet für ein Telekommunikationsunternehmen in Malaysia und die jüngste Tochter hat ein eigenes Bekleidungsgeschäft im nächsten Städtchen. Zu meinem Leidwesen ist keines der Kinder daran interessiert, die wunderschönen Felder der Eltern zu bestellen ... aber es spricht doch von einer guten Entwicklung mit besten Bildungschancen.

Die sanitäre Infrastruktur

Man könnte noch sehr viel über die Teebauern in Nepal schreiben ... aber nachdem ich schon fast zwei Wochen an diesem Beitrag schreibe, wird es endlich mal Zeit, ihn zu veröffentlichen. Mein nächster Bericht von der Reise wird sich dann mit der Verarbeitung / Teeproduktion in der Fabrik beschäftigen.
Mal sehen, vielleicht kommt zwischendrin noch ein Verkostungsbericht ... die gehen mir doch deutlich flotter von der Hand.

Addendum: da habe ich so lange an diesem Beitrag rumgeschrieben und dabei interessante Zahlen vergessen zu erwähnen.
In Darjeeling erntet während des First Flushs eine Pflückerin üblicherweise pro Tag 4000 shoots - das entspricht 2 - 2,5kg grüner Blätter. Weil das Gewicht bei der Verarbeitung auf ca. 20% schrumpft (das Wasser wird entzogen), werden aus der Tagesernte einer Pflückerin ca. 500g Tee. Das Verhältnis von Blatttee einerseits zu Broken, Dust und Fannings andererseits ist ca 30% : 70%. Also muss für ca 150g Blatttee (den die meisten von Euch wohl bevorzugen) eine Pflückerin einen Tag lang arbeiten. Dafür bedanke ich bei den Pflückerinnen mich mit einem herzichen धन्यवाद (dhanyabad)!

17.04.2013

Darjeeling: Tea cultivation / Teeanbau

In den nächsten Einträgen werde ich viele meiner Reiseeindrücke und -erfahrungen aus Nepal und Darjeeling aufschreiben. Ich bin unheimlich dankbar, dass ich mit einer TeeGschwendner-Gruppe die Chance hatte, solch eine Reise zu machen. Daran würde ich Euch gerne teilhaben lassen. Fangen wir mal mit dem Anfang an: dem Teeanbau, hier am Beispiel von Darjeeling.

In the coming posts on this blog I will write a lot about my travel experiences in Nepal and Darjeeling. I am enormously grateful for the chance offered to me to accompany a group of TeaGschwendner franchisees and our director / senior tea taster. Perhaps I can share with you what I learned - hoping no to be a bore. Let's start from the beginning: tea cultivation, taking Darjeeling as an example.


at Soom Estate
 
In den letzten Jahren haben viele Teegärten ihre Bio-Konversion abgeschlossen. Ein langwieriger und teurer Prozess, der durch (vorübergehenden) Rückgang der Erntemengen und einen unglaublichen Arbeitsaufwand allein schon in der Dokumentation wirtschaftlich ein hohes Risiko darstellt. Vor diesem Hintergrund ist es ein Segen, dass die letzten zwei Jahrzehnte für eine Konzentration in der Eigentümerstruktur in Darjeeling gesorgt haben: es ist inzwischen längst nicht mehr so, dass jeder Garten einem einzelnen Eigentümer gehört. Auch wenn alle Gärten unabhängig gemanagt werden, sind die Geldgeber im Hintergrund oft in einer Größenordnung, die die schwierige Phase der Konversion besser verkraften kann.

During the last years many tea gardens completed their conversion to organic cultivation and became fully certified. It is a lengthy and costly process, bringing (temporarily) reduced yields and an unbelievable workload just documenting each single step of every process - an economically risky endeavour. Thinking of this, you might say it was a blessing that over the last two decades the ownership of Darjeeling's tea gardens has concentrated in the hands of some major players. Though each garden is managed individually, the financial power of the reduced number of owners helped securing the conversion to certified organic cultivation.





Wir haben in Darjeeling nur Teegärten besucht, die bereits komplett nach verschiedenen internationalen Standards bio-zertifiziert sind. Was mich dabei am meisten überrascht hat: die abwechslungsreiche Flora (und Fauna). Erwartet hatte ich endlos sich ziehende Teefelder bergauf & bergab soweit das Auge blickt. Statt dessen findet man zwischen den Teebüschen immer wieder Schattenbäume - die nicht nur Schatten für die Teebüsche spenden, sondern auch Nützlingen als Basis dienen. Zwischen den einzelnen Sektionen (Bereiche einer Größe, die von einer Gruppe Pflückerinnen an einem Vormittag gut abgeerntet werden können) finden sich immer wieder Brachflächen, bestanden mit Bambus, Kardamomsträuchern oder was auch immer sich dort wohlfühlt. Was für eine Erleichterung für mich, keine eintönige Monokultur-Wüsten zu sehen.

Our group has visited only Darjeeling tea gardens certified by several standards of organic cultivation. What surprised me the most in those tea gardens: the bio diversity (both plants and animals) found in the tea gardens. I went there expecting endless teafields stretching up and down the slopes for miles and miles. Instead there were many shading trees among the tea bushes - not just supplying a bit of shade for the tea bushes but also acting as homes for many useful birds and insects. Between sections (areas of a teagarden that can be plucked by a team of pluckers in a shift) we found bracken areas, overgrown with bamboo, cardamon bushes and what ever wanted to grow there. What a relief not to see the dreaded monocropping deserts!
diverse vegetation found in organic tea garden (Tumsong estate)
Kardamom / cardamon (Lingia Estate)

Im Vergleich kannte ich zuvor nur Teeanbau in Japan aus eigener Erfahrung. Dort stehen um Shizuoka oft in der Ebene maschinell geerntete Teebuschhecken in Reih und Glied - mir bis zur Hüfte reichend. In Darjeeling sind die Teebüsch kleiner und unregelmäßiger. Oft ist die Wuchshöhe nur knapp mehr als kniehoch (bei 180cm Körpergröße) - aber wenn man als zierlichere Pflückerin am Hang bergauf arbeitet, ergibt sich aus der Steigung des Hangs eine angenehme Arbeitshöhe.

The only life experience I previously had of teafields was from Japan. There in the plains of Shizuoka you will find precise rows of teabushes, sculpted monotonously by machine harvesting into straight lines of repetitive dimensions, often reaching up to my hips. In Darjeeling teabushes do not grow that high and precise. Commonly bushes here are about knee high (being about 6' tall) - but when the ladies of about 5' pluck uphill, the mountains slope lift the bushes in front of you to a comfortable working height. 
 
(some guys in the background - torn between shyness and curiosity)


leaves are typical of sinensis, but the mossgrown stem shows some assamica heritage in this hybrid


Wenn man genau hinsieht, erkennt man auch, wie stark der Sinensis- oder Assamica-Anteil der Büsche ist. Bei reinen Camellia Sinensis Pflanzen oder Hybriden mit dominierendem Sinensis-Anteil verzweigt sich der Busch direkt beim Austritt aus der Erde. Je deutlicher ein einzelner Stamm pro Busch zu sehen ist, desto höher ist der Assamica-Anteil. Als wir ganz am Fuß der Gärten Tumsong und Lingia durch ein Flusstal wanderten, sahen wir dort auch kleine Sektionen mit reinen Assamica-Büschen. Ganz deutlich waren hier die Blätter größer - und auch dreidimensionaler: wenn man von oben auf das Blatt sah, zeigten sich richtige Täler an den Stellen, wo kräftige Adern das Blatt durchzogen. Dagegen haben die Sinensis-Blätter viel weniger "Landschaft".

Looking closely at the tea bushes in Darjeeling, one can tell how much of the sinensis or assamica varietal there is. Pure camellia sinensis (of hybrids with lots of sinensis in their ancestory) grow out of the ground in branches. The more defined a single stem is to be discerned, the closet the tea bush leans to the assamica varietal. When we hiked through a river valley forming the lowest border of Tumsong and Lingia (neighbouring tea gardens), there were even tiny sections consisting entirely of pure camellia assamica. These leaves are much bigger than sinensis leaves - and more 3dimensional: looking at the upper side of a leaf, the surface dips into deep 'valleys' along the major veins of a leaf, forming a miniature landscape of hills and valleys. Compared to this, sinensis leaves show mere flatlands.

Qiaomu Puer from Darjeeling???
Im Garten Soom sahen wir nahe am Bungalow des Managers auch eine kleine Fläche, wo ich die ganze Gruppe aufgehalten habe: Teebäume! Die Stämme waren vielleicht 3-5 Meter hoch - meine Puer-Begeisterung lies mich nachfragen. Nein, hier wird kein Qiaomu Sheng vom Garten Soom geerntet - vielmehr lässt man die Teepflanzen ohne Rückschnitt wachsen, damit alle Vegetationsphasen durchlebt werden und sich auch Samen bilden. Denn obwohl die Vermehrung überwiegend per Stecklingen erfolgt, werden für die Weiterzucht auch Samen eingesetzt.

Close to the manager's bungalow at Soom Tea Estate there is a small plot where I kept the entire group waiting: Tea trees! These highstemmed trees of camellia reached up to 10-15' (3-5 meters) and peeked my puer curiosity. No, there is no Qiaomu Sheng produced from these tea trees. These fine specimen of assamica heavy hybrids are allowed to grow naturally, going through all phases of vegetation ... in order to develop tea seeds. Though new tea bushes are usually grown from cuttage, every once in a while seeds are planted to get new bushes.



actually planted in Nepal not Darjeeling - but being a proud "parent", I just have to shof off my youngster

Damit sind wir thematisch ja schon bei der "Karriere" der einzelnen Teebüsche:
Wie in einer Baumschule werden die jungen Teepflanzen in der Nursery aufgezogen, bis sie auf dem richtigen Teefeld zur Arbeit kommen. Dabei werden immer nur die jungen Triebe der Oberseite gepflückt - Seitentriebe dürfen weiterwachsen, damit sich auf der Oberseite ein möglichst breiter und gleichmäßiger Tisch ergibt, von dem einfach gepflückt werden kann. Im 5 Jahresrhythmus erfolgen zwei Rückschnitte verschiedener Tiefe - bis zu 20cm Höhe kann ein Teebusch ohne weiteres an Höhe verlieren. Im Jahr nach dem gravierenden Rückschnitt erfolgt keine Ernte, die Pflanze muss sich ersteinmal erholen. Wir sahen Büsche, die letzten November zurückgeschnitten wurden und noch völlig kahl aussahen. Der Ernteverzicht im Jahr nach dem Rückschnitt macht sich aber dadurch bezahlt, dass die Pflanze wieder kräftiger und dichter austreibt. Nach ungefähr 100 Jahren hilft aber auch der Rückschnitt nicht mehr - die Produktivität der Pflanze lässt kräftig nach und es wird Zeit, die jeweilige Sektion neu zu bepflanzen.

This takes us to the career of a tea bush:
Baby bushes are schooled in a nursery before they are transplanted to a new section in a tea garden. Here they start working to produce many shoots (sets of two leaves and a bud). Shoots at the sides of a bush are never plucked, only from the top of the bush. This leads to bushes with a wide and level upper surface, looking like green tables. These tables faciliate plucking over the coming years. In a cycle of 5 years there are two prunings, cutting away as much as 8 inches from the top of a bush (one pruning being lighter than the other - but I never really understood which type of what pruning comes at which time, sorry!). In the year following the heavy pruning, the bushes are granted a year of rest without plucking. We have seen some sections pruned last November - still looking brown and barren. Still it pays off to cut back the bushes so drastically - they will grow more vigorously afterwards. But after about 100 years even pruning will not help productivity - then it is time to replant a section with new bushes.
some pruned bushes in the foreground


Im nächsten Beitrag werde ich mich der Ernte zuwenden und dabei ein paar Zahlen zur Leistung einer Pflückerin nennen - auch in Realtion zur Menge handelsfertigem Tee. Wenn Ihr Themenwünsche zu meinen Berichten von der Nepal/Darjeeling-Reise habt, könnt Ihr mir diese gerne in den Kommentaren nennen.

My next post will be about plucking / harvesting - giving you a few numbers on the quantities plucked per person on a siongle day, relating these to the yield of finished tea. If you want to learn more about a topic mentioned here or wish for another topic on tea in Nepal and Darjeeling, please let me know by commenting on this post!

14.04.2013

Back from Nepal / Zurück aus Nepal

Heute morgen sind wir wieder in Frankfurt gelandet. Aus Nepal und unseren 3 Tagen in Darjeeling habe ich unheimlich viel Stoff für diesen Blog mitgebracht - heute aber erstmal nur ein kurzes Hallo und ein Streiflicht auf den ungewöhnlichsten Tee der Reise.

This morning we got back home. Our trip to Nepal with 3 days in Darjeeling has brought sufficient material for lengthy posts on this blog - but for today I'll just give you a short impression of the most unusual tea I tried during our journey.

Wir waren unter anderem für 4 Tage zu Gast bei nepalesischen Teebauern. Die Bauern der Sunderpani-Kooperative beliefern die Fabrik, in der z.B. der TeeGschwendner-Tee "Spirit of Sunderpani" entsteht. Ein Reisegefährte und ich wurden von Familie Lama aufgenommen, Mutter und Vater Lama sehr Ihr im folgenden Bild.

We spent 4 days out of almost two weeks as guests of Nepalese tea farmers. Farmers of the Sunderpani Coop supply a factory which produces for example "Spirit of Sunderpani" for TeaGschwendner. A fellow traveller and I stayed with the Lama family - see mother and father of the family in the following picture.


 


Herr Lama hat im Verhältnis zu seinen Kleinbauern-Nachbarn relativ viel Land und davon auch eine schöne Partie mit Teebüschen bestückt:

Mr. Lama is a (small)holder with a comparatively generous plot of land - and a nice portion of that planted with tea bushes:


Einen Teil der hier geernteten Blätter bringt er nicht in die Teefabrik, sondern verarbeitet sie ganz traditionell von Hand: rollen - trocknen (Sonne oder in der Wärme des Herds) - fertig.
Die Oxidation findet nach dem Rollen beim Trocknen statt - völlig ohne Kontrolle und Timing.

A part of the leaves harvested from these bushes is not taken to the factory but manufactured in a very traditional way: rolling by hand - drying (by sun or the heat of a hearth) - finished. Oxidation takes place naturally during drying - completely free of timing or calculations.

Auf dem obigen Bild steht ein Becher mit dem Tee auf der Ecke des Tisches (gerade angekommen in "meinem" Zimmer). Leider habe ich kein richtiges Bild des Tees gemacht: sieht aus wie ein Zwitter aus Ceylon Blatt und Darjeeling Second Flush. Aber Duft und Geschmack sind herrlich: wie schwarzer Keemun Tee mit Rosenblüten und Darjeeling Second Flush. Dieser Rosenduft ist enorm: es ist nichts zugefügt - nur ein Ergebnis des sorgfältigen Rollens und natürlichen Oxidierens. Leider wird dieser Tee nur für den Eigenbedarf hergestellt und kommt nicht in den Handel.

In the above photo you can see a mug of thist tea on the corner of the table (I had just arrived in 'my' room). Unfortunately I have not taken a real pic of the tea - it looks like a hybrid of Ceylon leaf and Darjeeling Second Flush. But fragrance and taste are magnificent: like black Keemun tea with rose petals and Darjeeling Second Flush. The rose character got me totally hooked: nothing was added to the tea, this intensely flowerey trait was only achieved by the rolling and oxidizing. To my great dismay this tea is produced only for family consumption - not for commerce. And I didn't even get a tiny bag as a parting gift. Sniff!!!

23.03.2013

Quiz

Zeit für ein kleines Quiz:
Time for a guessing game:

Was hat dieses Foto mit Tee zu tun?
How is this photograph related to tea?



Mal  sehen, welche Erklärungsvorschläge Ihr in die Kommentare schreibt.
Let's see what explanations you might come up with in the comments.

Falls es zu schwierig wird, hätte ich für ein späteres Update noch ein Foto in reserve.
In case this might be too difficult to guess, I've got another hint as a photograph to come up in a later update.

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Update:
Nachdem Luke quasi  gelöst hat, hier noch der letzte Schritt, der zeigt, wo ich die Schuhe einsetzen werde.
After Luke has solved the question, I'll now let you know where my shoes will take me to the tea.

Nepal!
Im April geht es für zwei Wochen nach Nepal (Ilam-Gebiet) und darin machen wir einen kleinen Abstecher nach Darjeeling. Während der First Flush Ernte in die Teeberge ... ich freue mich wie verrückt!
In April we will be travelling to Nepal (Ilam region) with a detour to Darjeeling. To be on the tea mountains during the First Flush season ... you just can't imagine how much I am looking forward to it!

13.03.2013

office matcha / Matcha im Büro

Sorry to have neglected this blog for far too long!
Entschuldigung dass ich so lange nichts geschrieben habe!

Lately it was hard for me to write about tea: seldom did i find the time to have a proper session and those were usually sessions with teas I have already told you about. But then it struck me to write about tea I enjoy every day - without a proper session but never yet published here.
In der letzten Zeit fiel es mir schwer, über Tee zu schreiben: selten hatte ich Gelegenheiten für eine richtige Tee Session und bei diesen Gelegenheiten genoss ich meist Tees, über die ich schon ausführlich geschrieben hatte. Aber dann regte sich unvermittelt die Idee, dass ich mal über einen täglichen Teegenuss schreiben kann, den ich hier noch nie thematisiert hatte.
usually this space is cluttered with 4-6 bowls / normalerweise knubbeln sich hier 4-6 Schalen


Everyday at the office after lunch 4-6 colleagues meet in our kitchenette to prepare some matcha. This powdered tea from Japan has a huge surge of popularity in Germany - among many other aspects this tea has to offer, it gives you a tremendous boost of energy. This is just the right stuff to ward off the sleepiness which comes after a heavy lunch.
Jeden Tag im Büro treffen wir uns nach dem Mittagessen mit ein paar Kollegen in unserer Teeküche und bereiten uns Matcha. Dieser japanische Pulvertee erlebt aktuell in Deutschland eine schnell wachsende Beliebtheit - unter vielen Aspekten, die ich an diesem Tee schätze, hat er eine enorm vitalisierende Wirkung. Dies ist genau das, was uns nach einem schweren Mittagessen wach hält und das Nachmittagstief vertreibt.

Matcha has a long tradition as playing the main role in Japanese Tea Ceremony (cha no yu). But of course - a ceremony of several hours is out of the question for office workers in the middle of the day. So we have adapted procedures to our needs and means in order to give us a great bowl of matcha (actually 4-6 bowls) without much fuss yet not compromising on the tea's taste and texture.
Matcha hat eine altehrwürdige Tradition als Hauptrolle in der japanischen Teezeremonie (cha no yu). Aber natürlich kann man im Büroalltag nicht eine mehrstündige Zeremonie einbauen. Also haben wir die Abläufe angepasst und modifiziert, um im Rahmen unserer Möglichkeiten eine gute Schale (na ja, eigentlich 4-6 Schalen) Matcha zu bekommen, ohne beim Geschmack oder der Cremigkeit des Tees Abstriche zu akzeptieren.

looking closely at this picture I find that I am not as bald as I fear

For a cha no yu the host in advance transfers the tea from its storage tin through a sifter into a laquer ware container (natsume) which is used for the guests. This sifting serves the purpose of eliminating all the lumps/balls found in a tin of matcha. At the office we take our tea powder straight from the tin, but sifting it into each individual bowl.
Für die cha no yu siebt der Gastgeber vorab das Teepulver von der Aufbewahrungsdose in die Lackdose (natsume), welche die Gäste zu Gesicht bekommen. Dieses Sieben dient dazu, alle Klumpen zu zerstören, die sich in der Aufbewahrungsdose gebildet haben. Im Büro nehmen wir den Tee direkt aus der Blechdose, sieben ihn aber in jede Schale.


Instead of boiling the water in an iron pot over charcoal, we use an electric kettle. And yes: we mix the boiling water with some cold water to get the desired temperature of 80°C  (=176F). Traditionally only one bowl is used for all the guests  At the office we all have our individual bowls which we take with us to our desks once the preparation is done. At a cha no yu the host would rinse the whisk (chasen) in the bowl to make it more flexible and to check for broken bristles. We soak the chasen in a separate cup while the tea powder is sifted into the bowls.
Statt das Wasser in einem Eisenkessel über Holzkohle zu erhitzen, nehmen wir einen elektrischen Wasserkocher. Und ja: wir mischen kaltes Wasser unter das kochende, um die optimale Temperatur von 80°C zu erreichen. Traditionell wird nur eine einzige Schale für alle Gäste verwendet - wir haben alle unsere eigene Schale, die wir nach der Zubereitung mit an unsere Schreibtische nehmen. Bei der cha no yu würde der Gastgeber den Teebesen (chasen) erstmal in der Teeschale mit heißem Wasser spülen (um ihn geschmeidig zu machen) und nach gebrochen Borsten zu suchen. Wir haben eine Extratasse, in der der Chasen einweicht, während wir das Pulver in die Schalen sieben.




The part on which we invest more time is the actual mixing of powder and water. Instead of just adding a ladle of water to the tea powder and whisking it, we go back to the Chinese roots of preparing powdered tea: First we add about one tablespoon of water, kneading the powder into a thick paste, making sure no new lumps are formed. Then we add some more water, so the liquid's surface ist like half an inch above the bowl's bottom. Now we whisk rapidly, building a dense foam of tiny bubbles, while the liquids surface is so far below the bowl's rim that we minimize the risk of splashing matcha around the kitchen. In the next step we add more water till the bowl is about halfway filled. Now we whisk again (more carefully), turning the concentrated foam from the previous step to the light jade colour which is usually desired. As we don't want the matcha to be finished in 3.5 sips as tradition demands, we usually add more water so the bowl will last longer at the desk.
Der Teil, in den wir mehr Zeit investieren, ist das eigentliche Mischen von Pulver und Wasser. Statt eine Kelle voll Wasser zum Teepulver zu geben und alles kräftig zu verrühren, knüpfen wir bei den chinesischen Wurzeln der Pulverteezuberetung an: Zuerst fügen wir nur wenig Wasser (ca. ein Esslöffel) zu und verkneten es mit dem Pulver zu einem gleichmäßigen Brei (klümpchenfrei!). Dann fügen wir mehr Wasser zu, so dass der Flüssigkeitsspiegel einen guten cm oberhalb des Schalenboden steht. Nun wird mit möglichst schnellen Bewegungen der Tee aufgeschlagen, so dass ein stabiler Schaum aus möglichst kleinen Blasen entsteht - während der Flüssigkeitsstand noch so niedrig ist, dass das Risiko unkontrollierter Teespritzereien minimal bleibt. Im nächsten Schritt wird nochmal Wasser zugegeben (Schale halb voll) und der konzentrierte Schaum des letzten Schritts etwas vorsichtiger mit dem neuen Wasser verschlagen,so dass der begehrte Farbton heller Jade erreicht wird. Weil wir nicht wie in der Tradition nach 3,5 Schlucken mit dem Matcha fertig sein wollen, füllen wir nun typischerweise die Schalen weiter auf - so haben wir länger etwas vom Tee.
a colleague from our marketing dept took these photographs - thus the blatant advertising of our tea

As you can see, we pay a lot of attention to the foam. It is not essential to the taste, but it enhances the mouthfeel and it shows you care about the product, if one endeavours to produce a lasting foam of tiny bubbles. Some beginners use an electric whisk (sold to froth milk for cappuccino) but that produces a foam akin to the big bubbles found in a bath tub - not the quality we bragg about in our group of matchafficionados.
Wie Ihr sehen könnt legen wir viel Wert auf den Schaum. Er ist nicht wesentlich für den Geschmack des Tees, aber er verbessert das Mundgefühl und zeigt, dass man achtsam mit dem Produkt umgeht, wenn man sich bemüht, einen langlebigen Schaum kleiner Bläschen aufzubauen. Einige Anfänger greifen zu elektrischen Milchaufschäumern, aber diese produzieren einen großblasigen Schaum, wie man ihn vom Badewasser kennt - nicht die Qualität, mit der wir in unserer Matcharunde gerne angeben.

Lately, I was not just uninspired in blogging - I was also experiencing difficulties in creating a good foam. Last week my foaming ability returned - seems life is getting back to its normal tracks.
In den letzten Wochen war ich nicht nur uninspiriert in Bezug aufs Bloggen - ich bekam auch keinen vernünftigen Schaum mehr hin. Seit letzter Woche bin ich aber wieder der verlässliche Schaumschläger ... und mein Leben normalisiert sich.

bringing in the items for an evening session (bonryaku temae)

everything cleaned and ready to go

the good stuff

pottered to be my personal rice bowl, but now this is my favourite matcha vessel

While writing this post, I am enjoying a bowl of matcha (prepared much closer to tradition). Not the office quality, but some truly high grade stuff called Horai by Aiya, a Japanese producer of organic teas. Yes, Aiya teas are sold in our shops, so you might consider this advertising. But I am not telling you to buy Horai or the more expensive variety called Ten (="Heaven") ... I would just like you to try several types of matcha and experimenting with different techniques - there is so much to be discovered in these finely ground grains. What are your experiences so far with matcha?
Während ich diesen Beitrag schreibe, genieße ich eine Schale Matcha (viel traditioneller zubereitet). Nicht die Qualität unseres Bürotees, sondern eine wirklich hochwertige Sorte namens Horai von der Firma Aiya, einem japanischen Hersteller von Biotees. Ja, Aiya wird in unseren Läden verkauft, also könnte dies als Werbung ausgelegt werden. Aber ich will Euch nicht einfach sagen, dass Ihr Horai  probieren sollt oder den noch teureren Ten (="Himmel") ... ich möchte Euch nur anregen, verschieden Matchaqualitäten durchzuprobieren und mit der Zubereitung zu experimentieren - es gibt so viel zu entdecken in diesem fein zermahlenen Pulver! Wie sehen Eure Erfahrungen mit Matcha aus?

23.02.2013

Fuhai 7536 (2007) versus Dayi 8582 (2011)

Sorry guys, first off the German version. Hope I'll find the time to publish an English translation soon.

Dieses Wochenende bekommen wir Besuch - morgen werde ich daher keine konzentrierte Teesession einlegen können. Also packe ich mir gleich zwei Sheng in eine Sitzung.
In letzter Zeit habe ich auch Interesse an den ganz bodenständigen Blends entwickelt. Handwerklich hergestellte Tees von alten Bäumen der Jingmai-Wälder werden mir lieb und kostbar bleiben ... aber ich finde es spannend, nun auch die Basis zu entdecken - was für Jahrzehnte die Puer-Welt dominierte, waren nunmal die Blends.
Schon vor einigen Monaten habe ich den 2007er Fuhai 7536 probiert und vor ein paar Wochen erstmals den Dayi 8582. Beide Tees gefallen mir ... aber wie weit unterscheiden sich diese Sheng, die beide in Menghai gemischt werden? Kann ich beide Jungs in einer Blindverkostung identifizieren?
Sonst ziehe ich ein Setup ohne Kleckertisch vor - aber bei Blindverkostungen einfacher in der Handhabung.


Wie bei meiner ersten hier veröffentlichten Blindverkostung (click) habe ich wieder meine Frau gebeten, die beiden Tees mit Buchstaben zu bezeichnen und mich nicht wissen zu lassen, welcher Tee welchen Buchstaben erhielt. Vorher hatte ich zu den trockenen Teeblättern Kärtchen mit den Blendnummern gegeben - darauf hat meine Frau die entsprechenden Buchstaben geschrieben und mir diese Karten verdeckt mitgegeben.

Zum Aussehen der trockenen Blätter sage ich heute nichts. Hätte ich mich damit intensiv beschäftigt, hätte ich Erinnerungen ans Herauslösen aus den Bing haben können und mich damit schon beeinflusst.
Noch eben zum Modus: je 5g im 80ml Gaiwan (war zu konzentriert). Annähernd kochendheißes Wasser. Nach Spülgang etwas ruhen lassen, dann minimal kurze Ziehzeiten.



Nun zu meinen Live-Notizen, während der Session in die Tastatur gehackt:

Duft im vorgewärmten Gaiwan:
A) Sheng! Tief, etwas Tabak, aber auch scharf angebratenes Spiegelei. Keine Spur von Lagerung, aber auch nicht die Frische eines ganz jungen Sheng.
B) Ganz ähnlich wie A. Vielleicht etwas weniger Tiefe, deutlicherer Tabak-Anteil (Virginia, nicht Latakia) ... und dazu eine deutlich süße Fruchtnote. Wie bei den meisten fruchtigen Sheng erinnert mich dieser Duft an Aprikosen.

Duft der Infusion nach Spülgang:
A) Eine stärkere Version des Dufts vor der Spülung mit zusätzlich einem Hauch gegrillter Paprika (süßlich fruchtig würzig mit dezenter Röstnote).
B) Ganz ähnlich wie A, auch mit der herrlichen Ahnung von Paprika - aber insgesamt leichter ... als würde der Tee sich eine Hintertür offenhalten, um eventuell doch ins Blumige ganz junger Sheng zu gehen.


Erster Aufguss:
A dunkler als B, A dunkelt auch schneller nach.
A) Tee! Geschmack von Camellia sinensis - fast wie der Antikater-Gunpowder damals mit Volker und ein wenig Rauchgeschmack. Dazu ein Hauch Leder und ganz im Hintergrund eine sehr zurückhaltende Süße, der es fast peinlich zu sein scheint, sich hier bemerkbar zu machen.
B) Viel milder (hätte erst diesen probieren sollen)! Weich und rund - zwar eindeutiger TEE-Geschmack, aber insgesamt runder, weicher. Kein Rauch und (noch?) nicht die Power, um als Antikater-Tee empfohlen zu werden. Aber irgendetwas im Mundgefühl bei diesem Tee sagt mir, dass da noch eine Kraftreserve schlummert, die erst später in die Aufgüsse übergeht.


Zweiter Aufguss:
Bemerkt, dass B noch mehr im Nugget ist, während A sich schon mehr in einzelne Blätter geteilt hat. Trotzdem sind diesmal beide Tassen ungefähr gleich intensiv orange gefärbt.
B) Geschmack von Landwirtschaft - Heusilage und etwas Kuh. Etwas süß und salzig, aber überwiegend unangenehm säuerliche Adstringenz. Diesen Aufguss habe ich wohl verhunzt, als ich mit viel zu viel Energie das Wasser auf die Blätter gegossen habe.
A) Auch zu stark mit übermäßiger Adstringenz, aber dieser Tee verkraftet das besser und zeigt nicht die unangenehme Säuerlichkeit.

Dritter Aufguss:
Fiel leider einer spontanen Allianz aus Ungeschicklichkeit und Schwerkraft zum Opfer. Ich könnte höchstens meine Jeans fragen, wie B denn so war.


Binary Match Infusion Counter = 4

Vierter Aufguss:
Keinerlei Farbunterschied.
B) jetzt angenehme Intensität. Sehr rund, fast schon seidiges Mundgefühl. Vor dem Hintergrund einer guten Shengigkeit schöne Fruchtigkeit.
A) Autsch, jetzt ist dieser viel zu adstringieriend säuerlich.


Sechster Aufguss:
Nun ist sogar B dunkler als A
B erscheint mir geschmacklich  tiefer, voller und hat für mein Empfinden mehr Körper als A.
Während bei B die Aprikosennote auffällt (ohne alles zu überlagern), ist es bei A eher eine kräuterige Tabaknote mit Gunpowder Parallelen.

Heute möchte ich die Tees nicht bis zur völligen Auslaugung testen - das wird mir zuviel. Also verrate ich jetzt mal, was mein Tipp ist:
A: Dayi 8582
B: Fuhai 7536
Auch wenn meine Teefreunde bei TeeTalk.de dem 8582 eine gewisse Süße attestieren, ist es für mich eher ein würziger Tee - das passt zu A in meiner Blindverkostung
Der Fuhai beeindruckte mich seit dem ersten Kennenlernen durch die Aprikosensüße, die mit der Kraft einhergeht. Obwohl er runder und geschmeidiger wirkt als A, ist B immernoch kraftvoll ... und eben recht aprikosig. Daher bin ich mir ziemlich sicher, den Fuhai als Tee B getrunken zu haben.

Nun die Auflösung:

Erleichterung - ich lag diesmal richtig!

Die Geschmeidigkeit des Fuhai mag an einer besseren Blattqualität oder einer sorgfältigeren Lagerung liegen. Ich tippe aber eher darauf, dass es ein Effekt der längeren Lagerung ist. Der Dayi wirkt auf mich auch älter als das Jahr der Pressung 2011 - aber im direkten Vergleich merkt man dann doch, was ein paar Jahre mehr ausmachen können.

Für mich immer wieder spannend, so einen direkten Vergleich zu haben. Diesmal lief die Blindverkostung besser ab als bei dem Massengestümmel von 2 Mangfei und 2 Jingmai. Nicht nur, weil ich genauer die Tees erkennen konnte, sondern auch weil es mit 2 Tees einfach besser handhabbar ist.

Habt Ihr auch schon Erfahrungen mit solchen Blindverkostungen? Wie lief es bei Euch?