Zuerst mal ein Foto, das nicht so scharf geworden ist wie es sollte:
Rechts seht Ihr 10g von einem Osmanthus Dong Ding, von dem ich durch einen glücklichen Zufall mal einen 3kg Beutel für lau bekommen habe. (Wenn es hier Smilies gäbe, würde jetzt einer erscheinen, der über volle Bildschirmbreite grinst).
Im linken Cup sind ebenfalls 10g von genau diesem Osmanthus Dong Ding - nachdem ich mich daran versucht habe, ihn selber zu rösten.
In meinem letzten Eintrag zeigte ich mich ja von einer ziemlich risikoscheuen Seite. Dabei probiere ich gerne neue Teesorten und experimentiere freudig an der Zubereitung rum - auch auf die Gefahr hin, mal etwas in den Sand zu setzen.
Damit wären wir schon wieder beim aktuellen Experiment, aber erstmal zu meiner Motivation: Oolongs mag ich lieber nicht so grün sondern besser etwas geröstet. Klassische, bräunliche Tie Guan Yin sind mir z.B. um Längen lieber als die modernen grasgrünen Kügelchen. Aus Taiwan mag ich viel lieber die mittelstark gerösteten Hong Shui als die ganz frischen Gao Shan Oolongs. Aber damit liege ich völlig neben der Marktentwicklung - da werden die grünen Versionen viel stärker gehandelt. Auch in unser Sortiment wird wohl in absehbarer Zeit ein Tie Guan Yin kommen ... recht grün.
Da hilft nur eins: Selbermachen!
Also habe ich gestern diesen hier geröstet:
Das habe ich nach einer Anleitung gemacht, die ich bei Tea Obsession gefunden habe. Zumindest bis der Rauch meine Frau alarmierte...
Dafür habe ich 150g in unseren Reiskocher gegeben und 2 x 30 Minuten (dazwischen umgerührt) in der Einstellung "keep warm" erhitzt. Dabei strömte der herrliche Duft des Tees durch die Küche und ich befürchtete schon, das ganze Eigenaroma des Tees (durch geschickte Oxidation zum Osmanthusduft veredelt) aus dem Tee herauszubacken.
Dann wollte ich für 30 Minuten die Einstellung "cook" anwenden, aber nach 2 Minuten sprang der Schalter zurück auf "keep warm". Also habe ich den Schalter ausgetrickst ... und wurde dafür nach einer Viertelstunde mit deftigen Rauchschwaden belohnt.
Die unterste Schicht der Blätter war angekokelt! Außerdem hatten sich die Stängel (wovon einige im Tee enthalten sind) gestreckt und dadurch die Kugeln weitgehend entrollt. Daher sieht auf dem ersten Bild dieses Eintrags die linke Schale viel voller aus als die rechte.
Völlig verdorben ist der Tee nicht. Man schmeckt zum Teil noch die leicht fruchtige Note des ursprünglichen Tees und dazu deutliche Röstnoten - als hätte man viel Houjicha (japanischer gerösteter Tee) untergemischt. Ein netter Tee zum Nebenbeitrinken - aber nicht das Ergebnis, das ich erreichen wollte. Vielleicht sollte ich es nochmal versuchen - dann im geschlossenen Grill, wo ich die Temperatur besser kontrollieren kann. Denn nach der ersten Stunde sollte die Temperatur schon erhöht werden - aber vermutlich besser indem ich die Lufttemperatur erhöhe, als dass eine Auflagefläche wahnsinnig erhitzt und die direkt aufliegenden Blätter verkohlt. Sollte ich das nochmal angehen, werde ich hier berichten.
Hat vielleicht jemand von Euch Erfahrungen damit, selber Oolong zu rösten? Über Tipps würde ich mich sehr freuen!
