20.11.2013

Yichang Hao Yiwu Wild Arbor 2000 + anonymer Shu

Wie oft schreibe ich von einer Verkostung und bin voll des Lobes für den Tee? Meist ist das der Fall oder ich kann zumindest einen Aspekt des Tees hervorheben, den ich als besonders erfreulich empfinde. Diesmal ist das anders - seit mehr als zwei Wochen warten meine Notizen einer Verkostung darau, hier veröffentlicht zu werden. Aber es fällt mir nicht leicht, weil mich jene Verkostung ziemlich enttäuscht hat.

Es geht um einen (für meine Verhältnisse) recht alten Sheng: vom Hersteller Changtai unter der Marke Yichang Hao hergestellt im Jahre 2000 unter Verwendung von Yiwu-Blättern. Diesen Tee habe ich als meinen ersten bewusst genossenen Sheng hier (click) auf TeeTalk.de beschrieben. Damals war ich völlig hingerissen von dem Tee - und als ich diesen August in München war, legte ich auch einen Besuch beim TeaHouse ein. Dort kaufte ich mir neben einem ganz herrlichen Wuyi Oolong (Rou Gui) auch 25g vom Yichang Hao Yiwu.


Bei diesem Stück handelt es sich um ein Teil aus der Nähe des "Nabels" des Bing - also eine enorm verdichtete Portion. Die Blätter sind im Übergang von Grün zu Braun und verströmen diesen Duft, der mir schon letztes Jahr aufgefallen ist: Teeladen mit dem Geruch aromatisierter Tees von "Japanische Kirsche" bis "Marzipan".


Ich hatte exakt 5g abgewogen und im 90ml Zisha-Kännchen gemacht, das eigentlich immer die kantigen Tees rundschleift und gefälliger macht. Auch habe ich mal (nach meinem großen Idol in Oxford) mit Duftbecher gearbeitet ... aber es hat alles nichts genutzt - ich konnte den Tee einfach nicht genießen. Aggressive Adstringenz, jede Menge Assam im Geschmack, aber auch etwas Pflaume ... und durch alles zieht sich eine gallige Säure. Sofort fiel mir dabei ein, was Jakub in seinem Blog "T" über extrem trocken gelagerte Sheng fortgeschrittenen Alters schreibt: unangenehm säuerlicher Charakter. Zu trockene Lagerung und die ganzen Fremdgerüche - schade, die letzten Jahre ist einiges schief gelaufen für diesen Tee. Ein Tee, der eigentlich Potenzial hat: ich merke deutlich die Power der Blätter. Eine geradezu berauschende, euphorisierende Wirkung, die den Verweis auf "Wild Arbor" wirklich glaubwürdig erscheinen lässt.




Nach 6 Aufgüssen ist mir der viel zu wuchtige und aggressive Tee so auf den Magen geschlagen, dass ich Hilfe brauchte - in solchen Fällen greife ich gerne zu einem guten Shu.
Ende Oktober hatte ich Glück: ich kam ins Büro und da stand ein Tong (Stapel von 7 Bing, klassisch in einer Bambusumhüllung) für mich. Darin waren 6 Bing (diese klassischen runden Kuchen à 357g) - einen Bing hatten unsere Tee-Einkäufer für sich behalten. Irgendwann Ende 2006 oder Anfang 2007 haben wir von einem chinesischen Lieferanten ein paar Tong von dem Tee geschenkt bekommen. Über die Jahre wurde der Tee als Kuriosum (Puerh spielt in unserem Sortiment nur ein winzige und versteckte Nebenrolle) verschenkt - nur der eine Tong blieb übrig. Bei einer Entrümpelungsaktion kam ein Bing ins Archiv und der restliche Tong zu dem einen verrückten Kollegen, der öffentlich zugibt, Komposttee zu mögen.

 




Nun, Shu ist wahrlich nicht meine große Liebe, aber dieser spezielle Tee hat was! Durch die lange Lagerung ist jeglicher Mief von Fischteich oder Komposthaufen verflogen - zurückgeblieben ist ein erdiger, weicher, samtiger Tee. Vollmundig aber geschmeidig und unkompliziert. Genau das, was meinen Magen wieder auf Vordermann bringt. Zwar habe ich keine Ahnung,woher der Tee kommt oder wer ihn verarbeitet hat - aber wirklich ein erfreulicher Tee!


Während ich hier endlich meine Gedanken zu den Tees ordne und niederschreibe, gebe ich dem Yichang Hao Yiwu noch eine Chance. Diesmal deutlich schwächer dosiert und im Porzellan-Gaiwan. Siehe da: der Tee ist geschmacklich milder - wie ein wässriger, leicht gesüßter Assam mit einem leichten Hauch Frucht. Dazu aber immernoch diese unterschwellige Kraft, die sich bei mir in ein Kribbeln durch den ganzen Körper wandelt. Also schonmal deutlich besser als in der letzten Session - aber für mich leidet der Tee an einem deftigen Reifedefizit. Wenn ich an den CNNP aus demselben Jahrgang denke (Blogeintrag vom 23.10.13) oder den 2003er Mengku von William oder der 2007er Douji Yiwu von Chris - das sind Tees welche so gelagert wurden, dass tatsächlich nach zu vollziehen ist, warum sich das Lagern von Sheng lohnt! Was hätte aus diesem Yichang Hao werden können, wenn er ein paar Jahre in Guangzhou oder Hongkong hätte verbringen dürfen?

Kommentare:

  1. What I understand from google translate could be that the Yiwu tea was exposed to direct sunlight for a long time. I lost a couple of cakes because of that "sunlight taste" that they call taiyang wei. It makes the tea taste supergreen, very astringent and sour.

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  2. Sorry for omitting the English version! Your description of taiyang wei really fits this tea, so that might be part of the problem. Another part of the problem is the multitude of aromas reminding me of all the flavoured teas found in German tea shops. Sure - a good Yiwu might develop its own plum flavour or sweetness of cane sugar, but this tea smells as if there has been a flavour mix up with the other teas of that shop (they advertise with "Europes widest range of tea - 800 types"). Funny enough their Oolongs seem unaffected - perhaps they sell faster than they can take on other odours. But Puerh is not that shops strength - at least by my experience so far.

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